Ein Erlebnisbericht

Ich muss einräumen, ich hatte Glück!

Bei mir attestierte man im Kindesalter Gleichgewichtsstörungen. Also deshalb! Deshalb konnte ich nicht Fahrradfahren! Freunde, Verwandte, Bekannte, alle hatten Verständnis und/oder Mitleid, aber NIEMAND sagte mir: Ist doch ganz einfach, ich zeig es dir! Ich habe allerdings gehört, anderen ist es anders ergangen…

Gleichwohl nagte es immer in mir: Warum konnten andere etwas, was mir nicht gelingen wollte. Und irgendwie wäre es doch wirklich schön, mit der Lieben oder anderen netten Leuten durch die Gegend zu radeln.
Dann, mittlerweile mehr als 48 Jahre nach meiner Geburt, las ich auf der Homepage von Christian einige Dinge, die ich zuvor so nicht mit Fahrradfahren in Zusasmmenhang gebracht habe. Das machte mich neugierig. Ich nahm also meinen Mut zusammen und rief ihn einfach an. Das Thema Gleichgewichtsstörungen überging er einfach, sagte nur, dass er daran nicht so recht glauben würde. Also meldete ich mich an und schlich an 1. Unterrichtstag gesenkten Hauptes auf den wunderschönen und großzügigen Übungsplatz. Christian stellte sich und anschließend wir uns vor. Dann kam der erste Satz von vielen, die mir im Laufe des Kurses zu denken gaben: Ich kann euch das Redfahren nicht lehren, vielmehr müssten wir Körper und Geist dazu bewegen, dass sie uns das Radfahren ermöglichen. Die Substanz dafür würden wir wohl mitbringen. Er warb um Vertrauen, auch wenn uns einige seiner Übungen am Anfang etwas merkwürdig vorkommen würden. Und dann ging es los …
Wenn mir jemand im Vorfeld gesagt hätte, ich würde Rollerfahren lernen und gezeigt bekommen, wie man in Roller einsteigt, mit ihnen über Brettchen fährt, durch sie durchsteigt, auf ihnen das Gleichgewicht hält, Turnübungen macht, mit ihnen in die Richtung fährt, in die man möchte und sie schließlich auch noch dazu bewegt, einen wieder KONTROLLIERT aussteigen zu lassen, nun ja, ich weiß ehrlich geagt nicht, was ich gedacht hätte. Aber, gesagt getan, uns wurden sämtliche Übungen vorgemacht und der Sinn der Übung erläutert. Es war nicht nur höchst anschaulich, nein, es war sogar erfolgreich und mit einer Menge Spaß verbunden. Über Klappräder, die zunächst als Laufräder genutzt wurden, und mit denen wir auch wieder höchst merkwürdige Sachen machen sollten, ging es weiter zu „richtigen“ Fahrrädern, also solche mit Pedalen und so. Durch das Training mit den Rollern hatten wir (Christian würde an dieser Stelle vermutlich sagen „unser Rückenmark in Verbindung mit der Großhirnrinde“) so etwas wie eine Vorstellung, wie es ist, uns auf zwei Rädern fortzubewegen. Aber auch hier standen erst einige Übungen an, die für Außenstehende und solche, die meinen, sie könnten Fahrradfahren, etwas seltsam wirken könnten. Wenn andere meinen, die Kunst des Fahrradfahrens bestehe darin, auf dem Sattel sitzend das Gleichgewicht zu halten und in die Richtung zu lenken, in die man will, ojé, so blauäugig war ich auch mal. Bevor es auf die Räder mit Pedalen ging hörten wir erstmal einen „Vortrag“, der mich eher an an eine Szene aus dem Film „Dirty Dancing“ mit Patrick Swayze und Jennifer Grey erinnerte. Dort wieß Patrick „seine“ Jennifer auf die jeweiligen Tanzbereiche hin: Dies ist mein Tanzbereich; dies ist dein Tanzbereich! Was das mit Fahradfahren zu tun hat? Wusste ich vorher auch nicht, aber auch so ein Fahrrad hat einen Bereich, den man als den seinen respektieren sollte. Fragen Sie doch mal die Personen, die ihnen angeblich das Fahrradfahren hätten schon längst beibringen können, nach dem dem Fahrrad zuzubilligen Bereich. Haben Sie im Vorfeld schon mal etwas vom Autopiloten beim Fahrrad gehört? Wissen Sie, was unter: „Schwupp-Diwupp“ zu verstehen ist, oder das es auch beim Fahrradfahren Situationen gibt, in denen man NEIN sagen und auch danach handeln sollte? Das sind alles Übungen, die ÜBERLEBENSWICHTIG sind, denn ich habe gelernt, dass die Kunst des Fahrradfahrens nicht darin besteht, sich auf dem Rad zu halten, sondern mit den Füßen wieder SICHER auf die Erde zu kommen. Das ist nicht nur eine Frage des kontrollierten Bremsens, das kann ich Ihnen nach diesem Kurs versichern. Wir haben während des Kurses die unterschiedlichsten Übungen gemacht und Christian wurde nicht müde, uns die Wesentlichen immer wieder ins Gedächtnis zu rufen. Seine (im positiven Sinne!) als höchst eigene Art zu bezeichnende Gestaltung des Trainings unseres Ichs (Geist und Körper) zur Einräumung der Möglichkeit des Fahrradfahrens war stets anschaulich, leicht nachvollziehbar, zuweilen witzig aber immer zielführend und, auch das gilt es hervorzuheben, stets individuell. Wenn jemand noch nicht so weit war, wurden mit demjenigen andere Übungen gemacht, als mit dem Rest der Gruppe. Apropos Gruppe: Wer schon mal einen Volkshochschulkurs besucht hat, hat bestimmt schon mal das (schöne) Gefühl kennengelernt: Unterschiedliche Leute aus unterschiedlichen Ländern aber mit demselben Ziel. Es ist einfach gut!
Zuletzt noch eine Bestätigung: Christians Logo heißt ja: moveo ergo sum (Ich bewege (mich), also bin ich). dem kann ich nach Teilnahme an seinem Kurs nur hinzufügen: stimmt (oder: quod erat demonstramdum -was zu beweisen war-).

Matthias, ein rundherum zufriedener Verkehrsteilnehmer auf 2 Rädern